Kulinarischer Kirchtag

In Österreichs größtem Gastgarten schmecken die Kirchtagsschmankerl noch besser als sonst wo. Heimische Wirte und Wirtinnen kredenzen eine ganze Woche lang traditionelle Speisen, die sie natürlich mit Produkten aus der Region und mit viel Liebe zubereiten.

 

Österreichs größter Kirchtågs-Gastgårt’n

Der Villacher Kirchtag ist ein Fest für jeden Geschmack und bietet daher auch ein vielseitiges, g´schmackiges Kulinarikangebot. Von der traditionellen Kärntner Kirchtågskuchl, über Alpen-Adria-Spezialitäten bis hin zu feinen Schmankerl aus den österreichischen Bundesländern.

Ganz besonders die Hauptplatzwirt:innen sowie die Gastronom:innen auf den Kirchenplätzen, am Rathaus- und Standesamtplatz warten den Kirchtagsgästen ihr Bestes auf.

 

Traditionelle Kirchtagssuppe

Ein Villacher Kirchtag ohne Kirchtågssuppe? Unvorstellbar. Die beliebten und feinen Kärntner Kirchtågssuppen in ihren, nach Talschaften unterschiedlichsten, Geschmacksvarianten, gibt es nahezu bei jedem Wirt und jeder Wirtin am und rund um das Kirchtagsgelände.

Die traditionelle Kirchtågssuppe, auch „Saure Suppe“ genannt, ist seit dem 17. Jahrhundert fixer Bestandteil der Festkultur in den Tälern rund um Villach. Gekocht aus bis zu fünf Fleischsorten, Wurzelgemüse, Gewürzen sowie einer Mischung aus süßem und saurem Rahm, variiert ihr cremig-kräftiger Geschmack je nach Talschaft und Rezept.

In den 1950er-Jahren brachte Maria „Mitzl“ Rainer, Wirtin am Kirchenplatz, ein Rezept aus dem Gailtal nach Villach und servierte es nach dem Festhochamt erstmals am Kirchtag – auf Einladung des Bürgermeisters – an Trachten- und Musikgruppen. Damit begann eine neue kulinarische Tradition in der Stadt.

Zum 50. Villacher Kirchtag im Jahr 1993 präsentierten Bäuerinnen aus dem Gail-, Rosen- und Gegendtal ihre regionalen Suppenrezepte. Im selben Jahr verschriftlichten Hans und Willi Tschemernjak im Auftrag des Bürgermeisters erstmals die Originalrezepturen der Rosentaler Čisava župa, der Gegendtaler Gelben Supp’m und der Gailtaler Kirchtågssuppe im Kochbuch „Kirchtag is“. Die Sammlung beinhaltete erstmalig auch das Rezept einer eigenen Villacher Kirchtagssupp’n, die Hans Tschemernjak als „Cuvèe der einzelnen Talschaftssuppen“ den Villacher:innen widmete.

Ab 1999 stand die Suppe auch im Mittelpunkt einer öffentlichen Verkostung am Rathausplatz. Unter der Schirmherrschaft von Gastro-Publizist „Kuchlmasta“ Peter Lexe wurde über zwei Jahrzehnte hinweg jährlich das beliebteste Rezept der Villacher Gastronomie prämiert.

Heute gilt die Kirchtågssuppe mit rund 300.000 Portionen jährlich als kulinarisches Aushängeschild des Villacher Kirchtags. Serviert mit Reindling, steht sie wie kaum ein anderes Gericht für Heimat, Brauchtum und festliche Geselligkeit.

Wer sie noch nie probiert hat, sollte das unbedingt bald nachholen!

Des „Kuchlmastas“ Villacher Kirchtagssuppe

Seit Jahrzehnten wird am Villacher Kirchtag eine dieser Suppen von den Wirt:innen der Draustadt aufgekocht. Hier das Lieblingsrezept von Prof. Peter Lexe. Er war als „Kuchlmasta“ und Gastro-Publizist ein Hüter der regionalen, bodenständigen Küche.

Kirchtagssuppe ist keine Speise, die Platz in einem Singlehaushalt einnehmen kann. Gut wird die Suppe nur, wenn sie zumindest in einer Größenordnung von zehn Litern gekocht wird. Erst wird in einem großen Topf, Fassungsvermögen rund 20 Liter, eine Basissuppe gekocht. Rindfleisch, Kalbfleisch, Schweinefleisch, ein Suppenhuhn und etwas Lammfleisch wird in kaltem Wasser aufgesetzt. Aufkochen lassen und den Schaum abschöpfen. Dann Wurzelwerk (Karotten, Sellerie, Petersilie, Lauch und gelbe Rübe) sowie Pfeffer, Piment und etwas Wacholderbeere dazu geben. Salzen und eine halbe Zimtrinde sowie drei Gewürznelken zur Suppe geben und alles bei kleiner Flamme köcheln lassen. Nach rund einer Stunde folgende Gewürze und Kräuter in die Flüssigkeit geben: Ingwer, Thymian, Majoran, Liebstöckl.

Nach einer weiteren halben Stunde etwas Suppe in einem eigenen Topf abschütten und darin Zitronenmelisse, Basilikum, Kerbel und Gundelrebe aufkochen und zehn Minuten ziehen lassen. Diesen Kräutersud in die Suppe abseihen. Noch einmal einige Minuten kochen lassen.

Das Fleisch herausnehmen, die Suppe durch ein Sieb gießen. In einem großen Topf zwei Liter sauren Rahm, einen Liter süßen Rahm, Maizena und vier Eidotter mischen, dann nach und nach die klare Suppe in diese Rahm-Masse einrühren.

Safran in Weißwein und einem Schuss Kräuteressig aufkochen und ziehen lassen, ebenfalls in die Suppe einrühren. Die Suppe auf kleiner Flamme ziehen, aber nicht mehr aufkochen lassen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Das erkaltete Fleisch kleinwürfelig schneiden und als Suppeneinlage servieren. Dazu wird in Villach Reindling gespeist, ein Kuchen aus Germteig, gefüllt mit Zimt, Zucker und Rosinen.

Zutaten für die Villacher Kirchtagssuppe

1 kg Rindfleisch, weißes oder schwarzes Scherzel

800 g Kalbfleisch, Schulter

600 g Schweinsschulter

1/2 Suppenhuhn

600 g Lammschlögel oder Lammschulter

Wurzelwerk: Karotten, Sellerie, Petersilie, Lauch und gelbe Rübe

Gewürze & Kräuter: Pfeffer, Piment, Wacholderbeeren, Salz, 1⁄2 Zimtrinde, 3 Gewürznelken, Ingwer, Thymian, Majoran, Liebstöckl, Zitronenmelisse, Basilikum, Kerbel, Gundelrebe, Safran

2 l sauren Rahm

1 l süßen Rahm

Maizena

4 Eidotter

Weißwein

Kräuteressig

 

Kirchtagsschmankerl

Es ist Zeit, sich durch die typischen Kirchtagsschmankerl zu probieren.

Traditionell sind die Kirchtagsschmankerl eher auf der “siaßen Seitn” anzuführen. Ein Lebkuchenherz fürs Schatzi, ein paar Kokosbusserl als Mitbringsel und auch der Reindling als typischer Begleiter zur Kirchtagssuppe dürfen da nicht fehlen.

Wem’s dann doch zu süß wird, dem sei geraten sich einen Langos zu holen. Aber besser erst am Nachhauseweg verspeisen, sonst gibt’s eher kein Busserl am Kirchtag!

Zum Besuch am Villacher Kirchtag gehört natürlich immer auch das Verkosten einer Kirchtagssuppe